Achtsamkeit bei Depressionen

von Natalie Irber


„Du hast es doch verdient, glücklich zu sein.“

Das hatte sich auch mein verstorbener Partner damals für mich gewünscht. Ich selbst hatte noch einige Jahre gebraucht, um das zu verinnerlichen. Vielleicht musste ich auch erst einmal richtig fallen, um etwas verändern zu wollen.

Achtsamkeit bei Depressionen

Dieser freie Fall war wohl auch der Stein, der alles ins Rollen brachte.

Nach jahrelanger Depression bin ich 2020 in eine psychosomatische Klinik, weil ich rauswollte, weg von meinem Alltag und Umfeld. Ich wollte Abstand gewinnen und mich sortieren. Ich wollte endlich wieder ein Leben haben, ein Leben ohne Gedankenspiralen und ohne Depression. 

Die Zeit in der Klinik hat vieles in mir verändert. Aber es war nicht nur die Therapie selbst, die mir das Glück ins Haus eingeladen hatte, sondern tatsächlich ich. Ich war offen für Heilung und habe alles mitgenommen, was ich greifen konnte.

Ich habe Bücher gelesen über Selbstliebe, Loslassen und auch Persönlichkeitsentwicklung, ich habe alles regelrecht aufgesogen. Wie der Zufall es so wollte, sind auch Achtsamkeit und Meditation in mein Leben gerutscht. Ich habe das einfach ausprobiert, es konnte ja nicht schaden. Mir ging es dadurch nicht schlechter, deswegen blieb ich auch am Ball. Nach ein paar Monaten ist mir aufgefallen, dass ich mehr in mir wahrnahm und mein Denken immer mehr beobachten konnte, welches die Jahre zuvor eine komplette Eigendynamik entwickelt hatte.

Achtsamkeit bei Depressionen

Das war wohl das Ergebnis der monatelangen Übung der Achtsamkeit. Ich bin mir meiner selbst bewusster geworden und mein Verstand wurde ruhiger. Ich war viel mehr im Moment und nicht mehr ständig in der Vergangenheit. Dadurch wurde es leichter und ich konnte viel mehr verarbeiten.

Durch zehn Minuten meditieren täglich, habe ich, glaube ich, auch zu mir gefunden, ich habe mich selbst kennengelernt, bin / war jetzt in mir. Ich konnte endlich Selbstfürsorge betreiben, da ich für mich rausgefunden hatte, was mir wirklich guttut. Ich habe mir selbst unzählige Fragen gestellt. Ich wollte wissen, wer ich bin, was ich eigentlich mag, was meine Ressourcen, Werte sind und wofür ich eigentlich brenne?

Ich wollte mich selbst lieben lernen und das habe ich auch getan.

Ich habe mich studiert und so konnte ich an unzähligen Stellschrauben drehen. 

Diese Übungen haben mir langfristig geholfen:

  • 1. Atembeobachtung: Setze dich bequem hin und konzentriere dich auf deinen Atem. Beobachte, wie du ein- und ausatmest, ohne deine Atmung zu verändern. Wenn deine Gedanken abschweifen, bringe sie sanft zurück zu deinem Atem.
  • 2. Körper-Scan: Schließe deine Augen und konzentriere dich auf deinen Körper. Beginne bei deinen Füßen und arbeite dich langsam nach oben, indem du jeden Teil deines Körpers nacheinander beobachtest. Achte auf Spannungen oder Schmerzen und versuche, sie loszulassen.
  • 3. Sinneswahrnehmung: Nimm deine Umgebung bewusst wahr. Konzentriere dich auf das, was du siehst, hörst, riechst, schmeckst und fühlst. Versuche, deine Gedanken nicht zu bewerten oder zu analysieren, sondern einfach nur zu beobachten.
  • 4. Dankbarkeit: Nimm dir jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um über die Dinge nachzudenken, für die du dankbar bist. Konzentriere dich auf die positiven Aspekte deines Lebens und versuche, sie bewusst wahrzunehmen.

Im Gesamten hat Achtsamkeit meinen Geist verändert, ich nehme wahr und genauso nehme ich inzwischen erste Anzeichen meiner Gedankenwelt wahr. Das gibt mir die Möglichkeit zu handeln und meine Ressourcen zu nutzen, wenn meine Gedanken im Kopf wieder mal eine Talfahrt machen. Es ist dieser Handlungsspielraum, den ich damals während meines Tiefs (Depression und PTBS*) nicht hatte und genau dieser Handlungsspielraum hat mir ermöglicht, einzugreifen.

Auch deprexis® kann bei der Behandlung von Depressionen ein sehr hilfreiches Tool sein. Das Online-Programm enthält z. B. viele Achtsamkeitsübungen, mit denen du gut arbeiten kannst.

 Wichtig ist, dass Achtsamkeit allein keine Heilung für Depression ist, aber es kann ein nützliches Werkzeug sein, um mit den Symptomen umzugehen und eine positive Veränderung im Leben zu bewirken.

*PTBS steht für Posttraumatische Belastungsstörung und ist eine psychische Erkrankung, die durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst wird. Menschen mit PTBS können unter wiederkehrenden Erinnerungen, Albträumen, Angstzuständen und Vermeidungsverhalten leiden.


Achtsamkeit bei Depressionen

Hej, ich bin Natalie, selbst Betroffene psychischer Erkrankungen und Künstlerin aus München.

Auf Social Media teile ich etwas „Hoffnung“. Hoffnung, die mir selbst lange fehlte, wurde zu einer Herzensmitteilung an andere Betroffene. Hoffnung, die ich jetzt zurückgeben möchte, weil ich das Gefühl kenne, sich allein zu fühlen. Weil ich selbst so lange dachte, dass es nie wieder gut werden kann. Es sind die Gedanken im Kopf, die einem diesen Streich spielen und darüber spreche ich, über die Psyche und deren Erkrankungen. Und meine Herzensmitteilung wurde zu meinem in Farbe getauchten Herzensprojekt.

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